500 Jahre Wormser Reichstag mit Lutherausstellung


Die Nibelungenstadt am Rhein war eine wegweisende Station im Leben des Theologieprofessors und Reformators Martin Luther aus Wittenberg. Er hielt sich ab 16. April 1521 zehn Tage in der Stadt auf, um seine Schriften vor Kaiser Karl V. zu widerrufen. Viele Wormser Bürger waren auf der Seite des Mönchs. Davon zeugen die Schreiben, die der päpstliche Gesandte, Nuntius Aleander, aus Worms nach Rom schickte. Darin berichtete er von der Feindseligkeit, die ihm überall entgegenschlug: „Neunzig Prozent der Deutschen erhebt das Feldgeschrei 'Luther', der Rest ruft mindestens 'Tod dem römischen Hof'“.

Heylshofpark mit Blick auf den Kaiserdom, Worms

Der Heylshofpark mit Blick auf den Kaiserdom, Worms

Im Heylshofpark an der Nordseite des Wormser Doms stand bis zur Stadtzerstörung 1689 die Residenz des Bischofs. Ein künstlerisch gestalteter Gedenkort erinnert heute an Ort und Geschehen von 1521. Dort lädt die begehbare Bronzeskulptur „Die Großen Schuhe Luthers“ ein, sozusagen in die Schuhe des Reformators zu „schlüpfen“. Sie gibt Raum für eigene Gedanken und Inszenierungen.

Bronzeskulptur „Die Großen Schuhe Luthers", Worms

Die Bronzeskulptur „Die Großen Schuhe Luthers" im Heylshofpark, Worms

Das Lutherdenkmal in Worms ist eines der prächtigsten in Deutschland und das zweitgrößte Reformationsdenkmal der Welt. Luthers kirchenkritische Schriften, insbesondere jene, die sich gegen den Ablasshandel richteten, hielten Deutschland in Atem und verbreiteten sich dank der Erfindung des Buchdrucks schnell. Nachdem Luther im Dezember 1520 eine Bannandrohung der römischen Kurie öffentlich verbrannt hatte, verhängte Papst Leo X. offiziell den Kirchenbann über ihn. Doch damit die weltlichen Autoritäten gegen den Reformator einschreiten konnten, musste auch der Kaiser die Reichsacht aussprechen. Luthers Landesfürst Friedrich der Weise hatte sich dafür eingesetzt, dass Luther vor dem Reichstag gehört werde.

Man kann dem jungen Kaiser Karl V. nicht vorwerfen, dass er sich nicht bemüht hätte, Luther zum Widerruf zu bewegen. Doch als der widerspenstige Mönch auch nach Tagen keine Einsicht zeigte, belegte ihn der Kaiser mit der Reichsacht, die aber erst Wochen später mit dem Wormser Edikt wirksam wurde. Dank der Hilfe von Friedrich dem Weisen war Luther längst unter dem Decknamen Junker Jörg in Sicherheit auf der Wartburg in Thüringen und übersetzte die Bibel ins Deutsche. Die Lutherbibel benutzte der englische Theologe William Tyndale neben den Urtexten für seine Bibelübersetzung ins Englische. Auch er wurde wegen seiner reformatorischen Bestrebungen verfolgt und 1536 als Ketzer in der Nähe von Brüssel verbrannt.

Das Lutherdenkmal in Worms, Rheinhessen

Das Lutherdenkmal in Worms, Rheinhessen

Martin Luther kam als freier Mann nach Worms und war bei seiner Abfahrt bis zu seinem Lebensende vogelfrei. Während seines Aufenthalts war es ihm sogar strikt untersagt den Wormser Dom zu betreten. Umso mehr würde es ihn freuen zu hören, dass 500 Jahre nach seinem Aufenthalt beim Wormser Reichstag im Museum der Stadt Worms im Andreasstift vom 3. Juli bis 31. Oktober 2021 die große rheinland-pfälzische Landesausstellung „Hier stehe ich. Gewissen und Protest – 1521 bis 2021“ gezeigt wird.

Blick auf den Dom, Worms

Blick auf die Stadt und den Dom, Worms

Im Mittelpunkt der Ausstellung steht der Auftritt Martin Luthers in Worms, den seine Anhänger später zum Mythos erhoben und mit dem vermeintlichen Ausspruch des Reformators „Hier stehe ich und kann nicht anders“ überhöhten. In einem zweiten Teil fokussiert die Ausstellung das Thema „Gewissensfreiheit“, denn mit Luther erhielt die Berufung auf Wissen und Gewissen einen entscheidenden Impuls. Die Landesausstellung präsentiert deshalb neben Martin Luther weitere bedeutende Persönlichkeiten, die seit dem 16. Jahrhundert bis in die Gegenwart für ihre Ideale in Wort und Tat mutig und entschlossen eintraten und nicht selten für ihre Zivilcourage auch mit ihrem Leben bezahlten. Dazu gehören zum Beispiel Olympe de Gouges, Sophie Scholl, Martin Luther King, Nelson Mandela und Georg Büchner. Unter den 120 Ausstellungsstücken befindet sich ein handschriftlicher Brief von Martin Luther an Lukas Cranach den Älteren vom 28. April 1521 über die Befragung in Worms und das Ölgemälde „Luther auf dem Reichstag zu Worms“ von Hermann Freihold Plüddemann von 1864. Die Ausstellung wird von vielen Veranstaltungen der Stadt Worms begleitet. Die Nibelungen-Festspiele präsentieren anlässlich des Jubiläumsjahres vom 16. Juli bis 1. August die Uraufführung „LUTHER“ des Autoren Lukas Bärfuss am Originalschauplatz vor dem Wormser Dom.

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